Hebel, Margin und Nachschusspflicht
Mit Hebel bewegst du eine größere Position, als du Kapital einsetzt – Gewinne und Verluste wachsen im selben Verhältnis. Die Margin ist die Sicherheitsleistung dafür. Die Nachschusspflicht entscheidet, ob du mehr verlieren kannst als dein Konto.
Wer ein Haus mit 10 Prozent Eigenkapital kauft, profitiert stark, wenn der Hauspreis steigt. Fällt der Preis aber um 10 Prozent, ist das Eigenkapital rechnerisch komplett weg – obwohl „nur“ 10 Prozent passiert sind. Genau so wirkt ein Hebel beim Trading.
Was der Hebel macht
Mit 1.000 Euro und Hebel 10 bewegst du eine Position im Wert von 10.000 Euro. Steigt der Kurs um 5 Prozent, gewinnt die Position 500 Euro – das sind 50 Prozent auf dein Kapital. Fällt der Kurs um 5 Prozent, verlierst du genauso 50 Prozent. Bei 10 Prozent Kursverlust wäre das Kapital in diesem Beispiel aufgebraucht.
Als Faustregel: Wirkung auf dein Kapital ≈ Kursbewegung × Hebel. Kosten wie Spread, Gebühren und Finanzierung kommen noch dazu.
Margin: die Sicherheitsleistung
Für eine gehebelte Position verlangt dein Broker eine Sicherheitsleistung, die Margin. Bei Futures unterscheidet man den Einschuss beim Eröffnen (Initial Margin) und die Mindestmarge, die während der Position nicht unterschritten werden darf (Maintenance Margin). Fällt dein Konto darunter, folgt ein Margin Call: Du musst Geld nachlegen – oder der Broker schließt Positionen.
Wo ein Hebel steckt
- Futures: Ein Kontrakt hat einen festen Wert je Punkt. Die Margin ist nur ein Bruchteil davon. Micro-Futures wie MNQ (Nasdaq-100) oder MGC (Gold) sind ein Zehntel der großen Kontrakte und eignen sich deshalb für kleinere Konten.
- CFDs: Differenzkontrakte mit Hebel, für Privatkunden in der EU nach oben begrenzt (siehe unten).
- Hebelprodukte und Margin-Konten: Auch Optionsscheine, Knock-out-Zertifikate oder Wertpapierkredite enthalten einen Hebel.
Nachschusspflicht: Kannst du mehr verlieren als dein Konto?
Nachschusspflicht bedeutet: Reicht dein Konto nicht, um einen Verlust zu decken, musst du aus deinem übrigen Vermögen nachzahlen. Für Privatkunden in Deutschland hat die BaFin das deutlich eingeschränkt (Stand Oktober 2026):
- CFDs: Seit 2017 dürfen CFDs mit Nachschusspflicht nicht mehr an Privatkunden vertrieben werden. Seit dem 1. August 2019 gelten außerdem dauerhaft Hebelgrenzen von 30:1 (wichtige Währungspaare) bis 2:1 (Kryptowährungen), eine Zwangsschließung bei 50 Prozent der Mindestmargin und ein Schutz vor negativem Kontostand.
- Futures: Seit dem 1. Januar 2023 dürfen Futures an Privatkunden in Deutschland nur noch vertrieben werden, wenn der Broker die Nachschusspflicht vertraglich ausschließt. Der Verlust ist dann auf das eingezahlte Geld begrenzt. Ausnahmen gelten unter anderem für reine Absicherungsgeschäfte.
- Professionelle Kunden sind von diesem Schutz ausgenommen. Wer sich so einstufen lässt, kann wieder mehr verlieren als sein Konto.
Was für dein Konto gilt, steht in den Bedingungen deines Brokers. Lies diesen Teil, bevor du mit Hebel handelst.
Der eigentliche Hebel ist deine Positionsgröße
Ein hoher möglicher Hebel zwingt dich nicht, ihn zu nutzen. Entscheidend ist, wie groß deine Position im Verhältnis zu deinem Konto ist und wie viel du bei einem Fehltrade verlierst. Wie du das berechnest, lernst du in Bereich 2 („Risiko & R“).
Was es nicht ist
- Kein Renditeversprechen: Der Hebel vergrößert Verluste genauso wie Gewinne.
- Kein Schutz vor Totalverlust: Auch ohne Nachschusspflicht kann das gesamte Konto verloren gehen.
- Keine Rechtsberatung: Maßgeblich sind die Bedingungen deines Brokers.
Auf einen Blick
- Wirkung auf dein Kapital ≈ Kursbewegung × Hebel.
- Margin = Sicherheitsleistung, Margin Call = Aufforderung nachzulegen.
- Privatkunden in Deutschland: CFDs und Futures nur ohne Nachschusspflicht.
- Steuere den Hebel über deine Positionsgröße.
Alle Inhalte dienen der Bildung und sind keine Anlageberatung. Trading und Investieren sind mit Verlustrisiken verbunden.
